Sonntag, 28. April 2013

Das Ende des Lockout, Fanø und die 60's


Ihr Lieben,

am Donnerstag gab es endlich die langersehnten guten Nachrichten: Die Regierung hat eingegriffen und der Lockout hat ab Montag ein Ende. ENDLICH! Ich bin echt ziemlich froh darüber, denn nun kann es endlich richtig losgehen mit dem unterrichten und ich freue mich auch, die anderen Lehrer wiederzusehen und das endlich wieder Leben im Schulhaus ist. :) 
Am Mittwoch habe ich wieder in der 3. Klasse Englisch unterrichtet- wieder mal ein kleines Highlight. Es ging noch um die "Three Billy- Goats" und dieses mal sollten die Kinder ein kleines Theaterstück aufführen und dafür, dass alle absolute Beginner sind, haben sie das echt gut gemacht. Die 9. Klasse sollte in dieser Woche ihre Dispositionen für das anstehende Examen abgeben und ich war etwas verwundert, als einige am Dienstag weder die Motivation noch irgendeine andere Form der Arbeitsmoral zeigten. Einige der Jungs surften lieber im Internet oder störten ihre Mitschüler. Naja, umso größer wurde dann im Verlauf des Dienstags die Panik und man konnte beobachten, dass der ein oder andere doch noch zu arbeiten begann. 

Montags darf ich in der Højskole immer der Singing Class beiwohnen und wir singen dann dänische Volkslieder, manchmal auch Englisch und hin und wieder hält Morten (der "Chorleiter" sozusagen) ein deutsches Lied bereit. Ich habe auch schon zwei dänische Lieder, die mir ziemlich gut gefallen und die ich auch schon aus vollem Herzen mitsingen kann.
Das eine habe ich auch mit den Lehrern während des Lockouts gesungen ("Livstræt") und das andere heißt "Linedanser". Überhaupt ist das Singen hier etwas anders als in Deutschland - während dort immer nur die guten Sänger in einem Chor zu finden sind, wird hier einfach auch mal aus Spaß gesungen, auch wenn es nicht immer super toll klingt, hat doch irgendwie jeder Spaß am singen und der ein oder andere schiefe Ton ist da eher Nebensache. 

Am Freitag war hier Feiertag - den store bededag - also ein Feiertag, an dem die Dänen ihre ganzen Heiligen und Geistlichen zu ehren. Ich würde es mit dem Buß- und Bettag in Deutschland vergleichen (sagt übrigens auch das Internet ;)). Da ich keine Schule hatte, machte ich bei den Aktivitäten in der Højskole mit. Wir hatten einen Tag ganz im Sinne der 60`s und nach einer ganz witzigen Stationsgruppenarbeitsphase mit Musik und (Gesichts)Malerei und Fragen rund um die Sechziger, wurde eine 60`s Party gefeiert. Ich glaube wir hatten jede Menge Spaß. Für mich war die Party allerdings "schon" halb vier zu Ende, denn schließlich hatte ich am Samstag etwas vor.
Nach 6 Stunden Schlaf war meine Nacht beendet, denn ein Ausflug auf die Insel Fanø war geplant. Ute und Mary kamen um mich abzuholen und dann fuhren wir in Richtung Westen. Wir konnte während des Ausflugs alle jede Menge Muttersprache tanken, den ganzen Tag und das tat auch echt mal gut. Fanø ist die nördlichste dänische Wattenmeerinsel im Westen von Jütland. Die Fahrt dorthin beinhaltete auch eine Fährfahrt von Esbjerg aus - juhu endlich mal wieder Boot fahren! :) Angekommen auf Fanø kam ich mir vor wie in einer kleiner Traumwelt, auf der anderen Seiten waren die ganzen Schornsteine von Esbjerg zu sehen und diese Insel wirkte einfach so fernab der Realität- zauberhaft. Die Insel misst so ca. 17km in der Länge und ist an der breitesten Stelle 5km breit. Zunächst fuhren wir nach Sønderho - ein kleiner Ort im südlichen Teil der Insel. Dort gab es wieder ganz tolle dänische Häuschen zu bestaunen.







Nach einem kleinen Rundgang durch das "Zentrum", beschlossen wir zum Strand zu fahren. Man durfte sogar mit dem Auto über den Strand fahren, was allerdings auch nötig ist, denn ehe man zum Wasser gelaufen ist, kann man auch warten bis die Flut kommt. 





Anschließend besuchten wir Nordby, das Städtchen, wo der Fährhafen ist. Ebenfalls ein beschauliches Plätzchen. 


Diese beiden Fayence- Hunde mit dem etwas traurigen Gesichtsausdruck haben auch eine kleine Geschichte. In vielen Fenstern auf Fanø kann man sie sehen. Sie waren im 19. Jahrhundert ein Mitbringsel von Seemännern aus England für ihre Frauen und Familien. Die Hundes sind stets paarweise unterwegs. Sie stehen für Treue und Geborgenheit. Schauen die beiden Hunde auf die See, dann ist der Herr des Hauses auf selbiger und schauen sie in Richtung Haus, dann ist der Herr auch dort. Warum wurden diese Hundes aus England mitgebracht? In den Englischen Häfen gab es viele Freudenhäuser, deren Betreiberinnen, kein Geld nahmen, stattdessen verkauften sie Souveniers- eben diese Hunde. Na gut, was sich allerdings die verheirateten Seemänner dabei gedacht haben, ins Freudenhaus zu gehen und sich dann auch noch zu verraten, weiß ich nicht. ;)




Als letztes an diesem wundervollen Tag fuhren wir noch zu Fanø Bad. Ein touristisch angehauchter Badeort mit einem super großen, weißen Sandstrand. Dort machte dann Utes Auto ein Foto von uns und wir kamen richtig ans Wasser ran (nicht so wie in Sønderho, wo uns riesen Pfützen der letzten Flut den Weg zu Wasser versperrten.)










Es war echt ein super schöner Tag- danke auch an Mary und Ute. :) Und nun freue ich mich auf morgen, also: Kære lærer, vi ses i morgen! :)

Bis dann,
Chrissi

Sonntag, 21. April 2013

Broget Aften und vieles mehr


Die ersten 8 Wochen sind nun schon rum...wow wie die Zeit vergeht. Leider ist inzwischen auch schon die Dritte Woche im Lockout rum und so wie es aussieht, folgt wohl auch noch eine vierte. 

Ich durfte allerdings in der vergangenen Woche endlich auch mal unterrichten, nämlich in der 3. Klasse in Englisch. Als ich am Dienstag mit Jytte (die Lehrerin, die nicht vom Lockout betroffen ist) die Stunde vorbereitete und sie mich fragte, ob ich übernehmen möchte, habe ich natürlich ohne zu zögern Ja gesagt. Es ging um das Märchen "Three Billy- Goats" - und ich denke mir ist das ganz gut gelungen, dafür, dass ich noch nie auf Englisch oder in einer dritten Klasse unterrichtet habe. Die zwei Stunden waren irgendwie ruckzuck um und ich darf nächste Woche auch wieder vorne stehen. (Natürlich hat Jytte immer übersetzt, was ich gesagt habe - die Kinder sind schließlich absolute Beginner). Lone hat auch schon angekündigt, dass ich übernächste Woche in der 9. Klasse in Deutsch unterrichten darf, weil sie da dann ihre Dispositionen für das Examen abgegeben haben- ich habe auch schon einige tolle Ideen. :)

Am Dienstag war ich mit Henriette beim Spinning - hat voll Spaß gemacht und für Sport drinnen bin ich ja im Frühjahr immer zu haben.

Am Mittwoch fuhr ich nach der Schule mit zu Susanne nach Hause- sie hatte mich eingeladen, den Nachmittag/Abend bei ihr zu Hause zu verbringen. So lernte ich ihre drei Kinder und ihren Mann kennen - alle waren super nett und freuten sich mich kennen zu lernen. Ich fuhr dann mit Susanne, Sofie, der ältesten Tochter und Mathias, dem mittleren Sohn, nach Odense und wir schlenderten ein bisschen durch die Einkaufsstraße und aßen ein Eis (bei mir war aussendrum Lakritze ..mmmh lecker). Wir gingen dann auch noch zum Laden von Susannes Schwiegervater - das Kramboden. Das Haus steht unter Denkmalschutz und es wölbte sich auch schon verdächtig. Es schien dort alles möglich zu geben und Susanne erzählte mir, dass Knud (der Besitzer) auch auf vielen Postkarten in Odense zu sehen ist. 
Weder zurück in Morud wollten Susanne und Sofie laufen gehen und Mathias und ich begleiteten sie auf dem Fahrrad. Zum Abendbrot gab es dann Spaghetti mit Tomaten und Basilikum und Knoblauch. Wären noch Pinienkerne dabei gewesen, dann wäre es quasi das Rezept der köstlichen Knoblauchspaghetti von Linda gewesen. ;) Es war mal wieder ein super schöner Nachmittag und er endete mit dem Versprechen, dass auf jeden Fall mal zu wiederholen. :)

Donnerstag und Freitag war ich dann in der SFO, eine Art Vorschule und spielte dort mit den Kindern. Der Anfang war zwar etwas schwierig (weil die Kinder mich ja nicht verstehen und ich auch nicht alles dänische verstehe und weil die Mitarbeiterinnen dort auch nicht so mega gesprächig sind), aber nach einer gewissen Zeit ging es und hat auch Spaß gemacht. 

Es wurden nun mittlerweile schon Wetten in der Schule abgeschlossen - 10 Kronen pro Person - ich als Optimist habe auf morgen getippt, naja ich werde wohl nicht gewinnen- es gab allerdings auch einen Pessimisten der allerfeinsten Sorte, der auf den 1.6. getippt hat - na ich wills mal nicht hoffen. 

Freitag Abend war dann mal wieder eine Veranstaltung in der Højskole - ein Broget Aften, also sowas wie ein bunter Abend (so am Gymnasium in Bad Salzungen) - wir hörten jede Menge Musik, mal gute und mal sehr gute. Es waren auch einige Lehrer da und viele Schüler und es hat mir gut gefallen. Allerdings sind knapp dreieinhalb Stunden doch schon ganz schön lange. 
Gestern war dann super schönes Wetter in Brenderup und wir saßen die meiste Zeit vor dem Haus und haben uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen - wieder mal ein kleiner Vorteil des Dorfes: Es war totale Ruhe!
Mal schauen, was die nächste Woche im Lockout bringt. Genießt den Frühling.
Vi ses
Chrissi

Freitag, 12. April 2013

Von Nutella und Katjes Katzenkindern! 


Lockoutet - das war auch in dieser Woche wieder das alles bestimmende Thema. Allerdings ist in dieser Woche etwas mehr passiert. Aber von vorne:


Montag war ich nach der Schule wieder mit den Lehrern in Middelfart und wir haben wieder gesungen und gewartet bis uns jemand Gehör schenkt (Ziel waren diesmal einige Beamte aus der Middelfart Kommune) - nach einiger Zeit kam ein Mitarbeiter der Kommune heraus (ich ab gehört es war der Bürgermeister), was er gesagt hat hab ich zwar nicht verstanden, aber es klang nicht schlecht, er bekam auf jeden Fall Beifall - und das ist auch hier in Dänemark ein gutes Zeichen! 
Mir ist ein Gedanke in den Kopf gekommen (ja, das passiert manchmal): Was machen eigentlich die Leute, die den Lockout beschlossen haben mit ihren Kindern, die ja schließlich auch nicht in die Schule gehen können? Und vor allem was machen der vielbesungene Michael Ziegler (sprich: Mikel Sieler ...oder so), Chefunterhändler der kommunalen Arbeitgeber oder auch die Politiker? Finden die das gut, mal mehr Zeit mit ihren Kindern zu haben?

Naja...nichtsdestotrotz muss irgendwas passieren, damit auch mal unterrichten kann und meine ganzen coolen Ideen endlich zum Einsatz kommen (ich hab ja auch genug Zeit um mir was zu überlegen). Einige Lehrer sagen, dass es wohl noch bis zum 1.5. andauern kann, andere sagen, dass die Kommunen das ganze solange ausreizen wollen, bis die Lehrerunion kein Geld mehr hat, so oder so - das ist noch ganz schön lang. :(

Am Dienstag war ich bei Trine, der Sekretärin, zum Kaffee eingeladen. Wir fuhren also gemeinsam zu ihr nach Hause, ein sehr hübsches, typisch dänisches Haus auf dem Lande. Sletterød liegt etwa 10 Minuten von Brenderup entfernt und es gibt dort etwa 10 Häuser (wenn überhaupt). Dort hat uns dann Karen, Trines 15- jährige Tochter erwartet und es gab leckere Pancakes. Ich brachte auch meine paar dänischen Sätze an und wurde prompt für meine Aussprache gelobt- yeah!
Nach dem Kaffee haben wir uns dann eine ganze Weile unterhalten und nachdem wir Johannes, Trines Jüngsten (er ist 8) aus Brenderup abgeholt hatten, war auch schon Dinnertime (etwas eher, weil Kathrine, Trines 18- Jährige Tochter, einen langen Schultag hatte und entsprechend hungrig war). Ich blieb zum Dinner und es gab Gehacktesklops mit Kartoffel, Lauch und Mohrrüben - da dies eins meiner Lieblingsessen ist (bis auf die Möhren) freute mich das natürlich noch mehr. :) Anschließend schauten wir einen dänischen Film: Blå mænd. Sehr witzig auf jeden Fall und auch mit englischen Untertiteln ging der dänische Humor nicht an mir vorbei. ;)
Ich unterhielt mich dann mit den beiden Mädels noch ein bisschen auf Deutsch und dann fuhr mich Trine nach einem wunderbaren Abend nach Brenderup und setzte mich mit dem Versprechen einer Wiederholung in der Højskole ab. :)

Dort angekommen schaute ich natürlich erstmal ob die heißersehnte Post angekommen war und JA, das Päckchen meiner Eltern war angekommen - wuhuuuuuu. Nachdem ich alles auseinandergenommen hatte (Meine Mutti hat eine Vorliebe fürs einpacken :) und Geschichten um die Eingepackte schreiben- voll toll) war ich total glücklich. Die Bärchlauchbutter meiner Schwester habe ich am nächsten Tag mit in die Schule genommen und die Lehrer fandens total lecker, ich übrigens auch. :) Außerdem bekam ich noch voll tolle Margeriten zum selber einpflanzen - ich mit dem grünsten aller Daumen - entweder ich werde sie ertränken oder sie wachsen nicht, weils hier zu kalt ist. ;)Sehr cool waren auch mein geliebten Katjes- Katzenkinder (mjonmjonmjon) und die berühmte Nuss- Nougat- Creme - die es hier zwar auch gibt, aber ich keine 5€ für ein Glas Nutella bezahlen möchte! Ich hatte ja eigentlich noch Wurst erwartet - aber naja man kann nicht alles haben. ;)



Am Donnerstag musste ich dann nicht in die Schule - ich fuhr mit den Lehrer nach Copenhagen (I <3 cph) um dort an der großen Demonstration teilzunehmen. Ca. 40.000 Menschen aus dem ganzen Land versammelten sich am Schloss Christiansborg (Regierungssitz) um ihrem Unmut Luft zu machen. Mit vielen tausend anderen versuchten wir erstmal dorthin zu kommen und nach einem kleinen Umweg und viel Gesinge stürzten wir uns in die Menge und applaudierten und jubelten den Sprechern zu. Ich war ziemlich überrascht, kaum Polizei, kaum Sachbeschädigungen oder Gewalt in irgendeiner Art - eine sehr friedliche Veranstaltung. :) Schade das die deutschen Medien sich so wenig mit diesem Thema beschäftigen. 






Morgen gehts dann nach Odense (ja jetzt wo es nicht mehr so übelst kalt ist kann ich mit dem Rad nach Ejby fahren und dort dann den Zug nehmen) und wir gehen zu einem Rugby Match. Darüber gibts dann natürlich auch noch einen Bericht.

Also: Vis Ses!
Chrissi

Freitag, 5. April 2013

LOCKOUTET!


Am Montag ging ich in die Schule und ich hatte es schon fast erwartet: kaum Schüler und knapp drei Lehrer - der groß angekündigte Lockout ist gekommen. Die Lehrer dürfen bis auf weiteres nicht mehr in die Schule gehen. Was habe ich die ganze Woche gemacht? Zum einen war ich immer dabei, wenn die 9. Klasse mal in die Schule kam (Anwesenheitspflicht), um sein bisschen Unterricht zu bekommen. Dann gab mir Lone die Aufgabe, eine Präsentation des Comeniusprojektes zu erstellen - wenigstens etwas! Da dies jedoch keine wochenfüllende Aufgabe war, schloss ich dieses "Projekt" bereits am Mittwoch ab und danach bekam ich ein weitere Aufgabe: Papier schreddern - wuhuuuuuu! Mir wurde gesagt: "You are very good at this!" ;) 

Donnerstag Nachmittag bin ich dann mit Henriette in ein Nachbardorf gefahren, dort trafen sich einige Lehrer verschiedener Schulen um zu singen und die Leute auf die Situation aufmerksam zu machen. Das war eigentlich ganz cool und den Song den Lehrer geschrieben haben, kann ich inzwischen auch ganz gut singen! :)

Heute durfte ich dann eher aus der Schule heim um wiederum mit Henriette und Tommy nach Middelfart zu fahren - dort fand das gleich wie gestern statt, nur das eben mehr Lehrer kamen und wir auch mehr Aufmerksamkeit erringen konnten. Hier ein Video des Lockoutsangs:



Mal sehen, wann die Regierung eingreift und quasi ein Zwangsgesetz für die längeren Unterrichtszeiten einführt - die Lehrer rechnen mit Ende nächster Woche.

Bis dahin und mit mal nicht ganz so frohgemuten Grüßen
Chrissi